Online-Beziehungsaufbau: Der Weg zur gesunden Fernbeziehung

Online-Beziehungsaufbau: Der Weg zur gesunden Fernbeziehung"

Im Rahmen unserer Themenreihe „Online Teambuilding“ in Kooperation mit dem Haus des Stiftens wollen wir euch in drei Blogbeiträgen die Themen Online Teamleitung, Online-Konfliktmanagement und Online-Beziehungsaufbau näherbringen.

Dieser Blogartikel basiert auf einer Webinaraufzeichnung. Du kannst dir gerne das Webinar anschauen oder die Inhalte im Rahmen des Blogartikels lesen. Lerne einfach so, wie es am besten zu dir passt.

Im digitalen Raum fällt es schwieriger, ein freundschaftliches Gefühl zwischen Mitarbeiter*innen zu schaffen. In der analogen Welt verlassen wir überall wo wir hingehen einen ersten Eindruck, und darauf basiert sich die Entscheidung von anderen, mit uns in Kontakt zu treten oder nicht. Danach besteht die Möglichkeit, eine vertrauensvolle Beziehung, eine Partnerschaft aufzubauen. Aber wie geschieht das ohne persönlichen Kontakt?

In diesem Artikel geht es darum, wie man gesunde und vertrauensvolle Fernbeziehungen zwischen Teammitgliedern, Mentor*innen oder Partner*innen aufbaut, und wie man Beziehungen und neue Kontakte im digitalen Raum gewinnt und pflegt.

Vertrauensaufbau

Der Vertrauensaufbau läuft wie ein Stufensystem, von der Konformität hin bis zur Individualität. Am Anfang einer Beziehung, handelt man konform nach gesellschaftlichen Normen. Das liegt daran, dass noch kein oder wenig Vertrauen aufgebaut wurde. Man fühlt sich noch nicht sicher, um seine oder ihren individuellen Charaktereigenschaften frei zu zeigen. Je mehr Vertrauen in einer Beziehung aufgebaut wird, umso sicherer und komfortabler mit der anderen Person wird man. In einer vertrauensvollen Beziehung zeigt man seine oder ihre individuelle Persönlichkeit. So wandert eine Beziehung von der Konformität zur Individualität.

Das gilt sowohl für persönliche Beziehungen als auch für berufliche oder in deinem Ehrenamt.  Manchen Leuten fällt es schwer in einer Videokonferenz, einen guten Eindruck zu hinterlassen, aber andere fühlen sich digital sicherer und haben damit keine Probleme. Im Grunde gilt jedoch für jeden Beziehungsaufbau (egal ob digital oder in Präsenz) dieser Ablauf!

Beziehungsaufbau: von Konformität bis Individualität

1. Der erste Eindruck

Die erste Stufe ist der erste Eindruck. Er hilft uns, andere Personen einzuordnen und mit Gefühlen zu verbinden. Das passiert instinktiv in den ersten Sekunden, wenn wir diese Personen sehen und den ersten Kontakt mit ihnen haben. Zum Beispiel: wenn man in einer Party ist und jemand den Raum betritt, bekommt man ein Eindruck von dieser Person (wie sie auftritt, ihre Haltung, usw.). Darauf basiert entscheiden wir, ob wir mit dieser Person reden möchten oder nicht.

Der erste Eindruck ist unsere Chance, ein Bild von uns darzustellen und uns ein Bild von dem gegenüber zu machen. Es sind die ersten Informationen, die von anderen wahrgenommen werden. Deshalb versuchen wir ganz intuitiv, positive Gefühle beim ersten Ausdruck auszulösen und gesellschaftskonform zu handeln.

2. Kennenlernen

Die zweite Stufe ist das Kennenlernen. Hier tauscht man sich grob aus und redet über unkritischen Themen. Man möchte die Konformität mit den gesellschaftlichen Normen behalten. Man lernt sich erstmal kennen, bleibt aber eher bei sicheren Themen, wie das Wetter, zum Beispiel.

3. Austausch über Werte und Ideen

Nach und nach traut man sich auch etwas kritischere Themen anzusprechen. In der dritten Stufe vertieft sich der Austausch. Werte und Ideen, die individuell und vielleicht nicht mehr gesellschaftskonform sind, werden diskutiert. Beispiele wären welche Partei man wählt oder welcher Religion man zugehört. Es kann deshalb zu Konflikten und Kritik kommen. Hier entwickelt man so langsam das Gefühl eine Person „wirklich“ kennenzulernen.

4. Wahrnehmung von Unterschiede

Die vierte Stufe ist entscheidend für die Kontinuität oder Abbruch der Beziehung. Hier werden die Unterschiede wahrgenommen, weshalb es sehr wahrscheinlich ist, dass ein Interessenkonflikt auftaucht. Die Beziehung kann in dem Moment zu Ende kommen oder trotz Unterschiede weitergehen. Man entscheidet sich entweder dafür, dass die Unterschiede spannend sind und die Beziehung bereichern oder die verschiedenen Ansichten werden als Hindernis für einen weiteren Vertrauensaufbau gesehen. Manche Beziehungen bleiben auch einfach auf dieser Ebene stehen.

5. Wortloses Verständnis

In der fünften und letzten Stufe hat man gegenseitig nicht mehr ein gesellschaftskonformes, sondern ein individuelles Bild voneinander. Zu dem Zeitpunkt hat man gemeinsame Erfahrungen gesammelt, und kennt die andere Person und ihre Werte gut. Man weiß im Vorfeld, wie die andere Person zu einer bestimmten Situation reagieren würde, ohne es sagen zu müssen. Beispielsweise wenn man weiß, was einer Person gefallen oder nicht gefallen würde. Somit ist das Verständnis wortlos und ein großes Vertrauen herrscht zwischen den beiden Personen. Man hat das Gefühl „man selbst“ sein zu können.

Der erste Eindruck zählt!

Freundschaften aufbauen

Wie entstehen Freundschaften? Es sind verschiedene soziale Faktoren, die die Entscheidung beeinflussen, ob eine Freundschaft geschlossen wird oder nicht. Im analogen Kontext machen zum Beispiel räumliche Nähe und häufiger Kontakt eine Freundschaft wahrscheinlicher. Wenn man Gemeinsamkeiten mit anderen hat, sowie gemeinsame Erlebnisse und Erfahrungen, kann ein freundschaftliches Gefühl auch entstehen. Natürlich auch wenn man Wert auf die Personalität, die Individualität und den Charakter vom Gegenüber legt, schafft man eine vertrauensvolle Atmosphäre.

Freundschaften im Analogen

Der Online-Beziehungsaufbau ist anders. Die online Umgebung hat bestimmte Effekte auf den Prozess, eine Freundschaft aufzubauen. Online kann man sich nicht zufällig begegnen, was im Analogen Vertrauen in der Beziehung schafft. Etwa wie sich in dem Supermarkt am Wochenende zu treffen und kurz zu quatschen. Gemeinsamkeiten sind weniger erkennbar und müssen sehr explizit kommuniziert werden. Im Analogen sieht man oberflächliche Dinge schnell und identifiziert Gemeinsamkeiten, wie zum Beispiel die Kleidung, die man zur Arbeit trägt. Im digitalen Kontext müssen solche Gemeinsamkeiten erst im Laufe des Gesprächs aufgedeckt werden.

Gemeinsame Erlebnisse zu ermöglichen ist im Digitalen auch schwieriger und muss auch explizit sein, da man sich Abseits der Arbeit höchstwahrscheinlich nicht trifft. Digital kann man nicht eine Tasse Kaffee oder ein Glas Wasser für die Kollegin mitbringen. Die nonverbale Wertschätzung, die kleine Aufmerksamkeiten und Geschenke sind im Digitalen eingeschränkt. Wichtig hier ist auch die räumliche Nähe zu erwähnen: sie ist meistens weder gegeben noch erkennbar.

Herausforderungen: Online-Beziehungsaufbau

Herausforderungen im Online-Beziehungsaufbau

Es entstehen deshalb viele Herausforderungen. Die Informationen für den ersten Eindruck sind eingeschränkt, da man sich nicht persönlich sieht und oberflächliche Aspekte der anderen Person nicht so schnell wahrnimmt. So wird es schwierig, die andere Person einzuordnen. Es ist nicht so einfach erkennbar, welcher Eindruck sie hinterlassen, wie sie sich verhalten.  Zum Beispiel sieht man nicht wie die Person den Raum betreten hat. Weiterhin können wir nicht die Umgebung des Gesprächspartners wahrnehmen: wo sie sitzen und ob sie allein sind, zum Beispiel. Eine weitere Herausforderung für den Online-Beziehungsaufbau sind technische Schwierigkeiten. Wenn die Verbindung schlecht ist, oder wenn man die andere Person nicht hören kann, verschiebt sich der Fokus weg vom Kennenlernen und hin zu den technischen Schwierigkeiten. Dabei kann die Atmosphäre unangenehm werden.

Was bedeutet das für uns?

Das bedeutet grundsätzlich, dass viel explizit und aktiv kommuniziert werden muss. Wir müssen uns Mühe geben, Vertrauen und Kontaktmöglichkeiten zu ermöglichen, dass man Gemeinsamkeiten finden und gemeinsame Geschichten haben kann. Dafür muss man die gesprochene Kommunikation, Mimik und Gestik auf jeden Fall verstärken.

Ein Tipp, um die Onlinekonferenz in einen vertrauensvollen Raum zu verwandeln, muss man die Situation außerhalb des Bildschirms erklären. Wie bereits erwähnt, die Umgebung des Gesprächspartners ist uns meistens unklar. Es ist wichtig zu erzählen, was man da macht, was im Raum passiert, was für Geräusche man hören kann, usw. So schafft man für alle einen sicheren Raum, wo man die Möglichkeit hat, sich auszutauschen. Außerdem ist es eine großartige Möglichkeit, um eventuell ein paar Gemeinsamkeiten zu entdecken und so zum Online-Beziehungsaufbau beizutragen.

Eine Studie der University of Michigan aus 2001 zur Wegen der Kommunikation hat unterschiedlichen Gruppen untersucht. Manche trafen sich zusammen und andere nicht. Es wurde dadurch gezeigt, dass Video und Telefonaten fast dasselbe Vertrauensniveau bei einem persönlichen Gespräch schaffen können (Bos et al., 2001).

erreichte Vertrauensniveau durch unterschiedlichen Kanälen

In größeren Gruppen kann man auch Vertrauen und Freundschaft aufbauen. In unserem Blogartikel Online Teambuilding findest du eine Reihe an Methoden, wie du eine gute Gruppendynamik schaffen kannst.  Dafür muss man einen individuellen Kontakt mit den einzelnen Personen schaffen. Das geht etwa durch einzelne Gespräche wie virtuelle Kaffee Dates. Du kannst auch private Nachrichten schicken, wenn du jemanden in einem digitalen Raum wiedertriffst. Man freut sich immer über eine nette Nachricht!

5 Möglichkeiten, um in Kontakt zu bleiben

Um ein vertrauensvolles Verhältnis zu schaffen und dadurch im guten Kontakt bleiben, möchte ich dir folgende 5 Tipps geben:

  1. Spricht die unwohlsame Gefühle, Unsicherheiten und Konflikte an. Wenn ihr darüber lachen könnt und euch verwundbar zeigt, wandert ihr von der Konformität ins Individuelle und kreiert Gemeinsamkeiten zwischen euch.
  2. Gestaltet gemeinsame Routinen. Routinen helfen, gemeinsame Erlebnisse zu entwickeln, und das ermöglicht ein besseres Kennenlernen. Ein paar Tipps für gute gemeinsame Routinen haben wir in folgendem Blogartikel für dich gesammelt.
  3. Nehmt euch Zeit für Austausch! In der Projektarbeit trifft man sich oft nur für einen bestimmten Zweck, etwa wie ein kurzes Check-in oder Teamgespräch. Nehmt euch bewusst die Zeit, um über andere Themen zu reden (wie es euch geht, was man zurzeit macht, usw.). Hierfür könnt ihr feste Treffen einplanen, um an eurer Beziehung zu arbeiten.
  4. Plant gemeinsame Aktivitäten. Zum Beispiel könnt ihr euch verabreden, um einen Film zuschauen und darüber reden, oder an Seminaren teilnehmen und danach diskutieren. So kreiert ihr gemeinsame Erlebnisse und vereinfacht den Online-Beziehungsaufbau.
  5. Lernt gemeinsam still zu sein. Wenn niemand in der Videokonferenz spricht, erhöht sich die Unsicherheit und man will sprechen, um die unangenehme Situation zu Ende zu bringen. Aber man muss der anderen Person Raum geben, dass sie oder er weiterspricht, was sehr schwierig ist. Im Analogen passiert das auch, aber im Digitalen schneller und öfter. Wenn du unsicher wirst, atme einfach einmal tief ein und aus und Schwups sind 10 Sekunden um.
Chancen: Online-Beziehungsaufbau

Zusammenfassung

Wie man Beziehungen und Vertrauen in der digitalen Zusammenarbeit schafft, haben wir in dem Artikel vorgestellt. Wichtig ist, Kontaktpunkte zu schaffen und gemeinsame Erlebnisse zu ermöglichen. Eine leichte und vertrauensvolle Atmosphäre, wo man sich wohl und sicher fühlt, wird erzeugt. So gibt es mehr Möglichkeiten zum Austausch und zur Freundschaft!

Hast du noch ein paar spannende Tipps für den Online-Beziehungsaufbau? Lass uns doch einen Kommentar da.