
Kennst du das? Ein Projekt startet voller Energie – und landet dann als To-do-Liste im E-Mail-Anhang, die niemand mehr findet. Willkommen im Club. Genau deshalb haben wir im Webinar „Kanban & Co: Projektmanagement-Tools für Nonprofits“ am 27.07.2024 beim Haus des Stiftens zusammengetragen, wie du Projekte im Haupt- und Ehrenamt zugleich übersichtlich, leicht und inklusiv organisierst. Hier kommt die Essenz – als lesbarer Leitfaden statt Tool-Dschungel.
Warum Kanban für soziale Organisationen so gut passt
Stell dir euer Projekt als Fluss vor: Links schwimmen Ideen an, rechts verlassen fertige Ergebnisse das Ufer. Dazwischen fließen Aufgaben durch klar benannte Spalten – Backlog/Ideen → To-do → In Arbeit → Review/Feedback → Erledigt. Jede Aufgabe ist eine Karte; sie wandert von links nach rechts. Klingt simpel? Ist es auch. Und genau das macht Kanban für Nonprofits stark:
- Flexibel für Ehrenamt: Menschen können selbst wählen, wann und wieviel sie beitragen (Stichwort: Sprint – z. B. 2 Wochen oder 1 Monat).
- Transparenz ohne Overhead: Jede:r sieht, was ansteht, woran gearbeitet wird, was blockiert ist.
- Selbstorganisation statt Mikromanagement: Karten ziehen, kurz abstimmen, fertig.
- Zeit ist nicht die Chefin: Fokus auf Fluss statt starre Zeitstrahleinhaltung (anders als im Gantt-Chart).
Wenn ihr SMART-Ziele habt: Plant die Umsetzung in Sprints (z. B. Monats-Sprint), setzt Deadlines auf Karten und lasst die Farbe rot werden, sobald es eilig wird. So bleibt ihr pragmatisch – und realistisch.
Die Tool-Landkarte – was passt zu euch?
1) Schon da? Dann nutzt es!
- Microsoft Planner (in M365 enthalten)
Für Teams, die ohnehin in Microsoft 365/Teams arbeiten. Intuitive Kanban-Boards, Zuweisungen, Fälligkeitsdaten. Achtung: Erweiterte Ansichten (Timeline/Gantt) sind teils kostenpflichtig und externe Ehrenamtliche verursachen oft Zusatzlizenzen. - Padlet
Niedrige Einstiegshürde, hübsch, super für gemeinsames Sammeln und kleine Workflows (auch als Kanban-Layout). Wenig Rollen/Benachrichtigungen; eher geeignet, wenn alle freiwillig reingucken. Kostenlos mit 3 Boards, danach Abo.
2) Klassiker für Kanban-first
- Trello
Sehr benutzerfreundlich, mächtige Automatisierungen (wiederkehrende Karten, Erinnerungen, @mentions), Kalenderansicht. Kostenlos für kleine Boards; Nonprofit-Rabatte bis zu 75 % machen es fair. Unser Favorit, wenn’s einfach funktionieren soll – auch im Ehrenamt. - Asana
Mehr „Projekt-Suite“ als nur Kanban: Listen, Timeline, Workload – viel drin, dafür etwas steilere Lernkurve. Nonprofit-Rabatte verfügbar. Stark, wenn ihr mittlere bis größere Projektportfolios steuert. - MeisterTask (deutscher Anbieter)
Schönes Kanban, sehr zugänglich. Kostenlose Stufe ist schnell ausgereizt; mögliches Nonprofit-Angebot auf Anfrage. Spannend, wenn euch ein deutscher Anbieter wichtig ist.
3) Open-Source & Selbst-Hosting
- Wekan
Open-Source-Kanban im Trello-Stil. Voll eure Datenhoheit – aber ihr braucht Server & Admin-Know-how. - OpenProject
Umfangreich (inkl. Gantt & Tickets), als Cloud (kostenpflichtig) oder selbst gehostet. Eher für größere, strukturierte Teams.
Datenschutz-Hinweis: Nutzt Auftragsverarbeitungsverträge (AVV), gebt möglichst wenige personenbezogene Daten in Karten, und lagert sensible Listen (z. B. Teilnehmendendaten) in passende, datenschutzkonforme Speicher – im Kanban nur verlinken.
Live-Entscheidungen & Abstimmungen: leicht gemacht
Im Webinar haben wir nicht nur Boards gezeigt, sondern auch schnelle Abstimmungstools – für Wahlgänge, Prioritäten, Stimmungsbilder:
- Mentimeter: Live-Umfragen, Quiz, Wortwolken – ideal für Einstiege & Entscheidungen im Workshop.
- Nudgel (ehem. Nuudel): Privacy-freundliche Termin- & Auswahlumfragen, ohne Tracking.
- PollUnit: Starke Abstimmungen (auch anonym/pseudonym), Pay-as-you-go bei größeren Gruppen.
- abstimmen.online (Verein): Fokus auf sichere Vereinswahlen/Briefwahl; spendenbasiert.
- VotesUP: Einfache digitale Wahlurne, bis 40 Personen gratis, danach günstige Pakete.
- LamaPoll: Deutscher Anbieter für Umfragen; DSGVO-Fokus, 50 Teilnehmende in Free-Stufe.
Tipp: Entscheidet vorab, was euch wichtig ist (Anonymität? Nur eine Stimme pro Person? Mobil gut nutzbar? Branding?) – dann wählt das Tool.
Barrierefreiheit & Inklusion
- In Trello kannst du Farbdarstellungen zugänglicher einstellen (für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen).
- Einfachere UIs (z. B. CodiMD/„CryptPad“-Boards oder sehr reduzierte Ansichten) helfen, Überfrachtung zu vermeiden.
- Prinzip „Less is more“: wenige Spalten, klare Begriffe, kurze Kartentitel + Beschreibung im Textfeld.
Fünf Praxis-Tipps, die euch sofort weiterbringen
- Board-Pat:in benennen
Eine Person kuratiert: Spalten beschriften, Dubletten aufräumen, Karten klar formulieren, Moderation bei Fragen. - „Sprint + Retro“ fest verabreden
Ein fester Rhythmus (z. B. Monats-Sprint). Am Ende eine Mini-Retrospektive:- Größtes Learning
- Größter Wachstumsschmerz
- Größter Erfolg
So lernt euer System mit euch.
- Größe sichtbar machen
Nicht alle Aufgaben sind gleich groß. Vergib Punkte (1–5) oder Tags („S“, „M“, „L“) – das verhindert, dass jemand „mal eben“ das Catering mitnimmt. - Feste Definitionen vereinbaren
Was heißt bei euch „Review“? Wer darf „Erledigt“ klicken? Wo liegt die Ablage? Zwei Zeilen Hausordnung sparen 20 Mails. - Klein anfangen, früh nachschärfen
Starte mit einem Pilot-Projekt (z. B. nur Öffentlichkeitsarbeit). Nach zwei Sprints: Spalten/Regeln anpassen – gemeinsam.
Mini-Vergleich auf einen Blick
- Kleines Team, schneller Start, Ehrenamt dabei? → Trello oder Padlet.
- Ihr seid schon in M365? → Planner (achtet auf Lizenzen für Externe).
- Mittlere/größere Portfolios & Reports? → Asana oder OpenProject.
- Volle Datenhoheit & IT-Ressourcen vorhanden? → Wekan/OpenProject self-hosted.
- Abstimmungen live & leicht? → Mentimeter für Workshops, Nudgel für Terminfindung, PollUnit/abstimmen.online/VotesUP für formale Wahlen.
Häufige Stolperfallen (und wie ihr sie umschifft)
- „Wir drucken das Board mal aus…“
Verführt zu Schatten-Versionen. Besser: Alle ins Board holen (Schulung kurz & freundlich – es lohnt sich). - „Zu viele Spalten!“
Max. 5–7 reichen. Alles andere wird Suchspiel. - „Keiner schaut rein.“
Board in die Regelkommunikation einbetten (Jour fixe = Board-Review; Links in Teams/Slack anpinnen; Kalender-Reminder).
Fazit
Kanban ist nicht „noch ein Tool“, sondern eine Arbeitsweise, die besonders gut zu Nonprofits passt: transparent, leichtgewichtig, menschenfreundlich. Mit einem klaren Board, kleinen Sprints und einer Prise Humor fühlt sich Projektarbeit eher wie ein flotter Espresso an – nicht wie ein endloses Kaffeekränzchen.
Blockt euch 45 Minuten und legt einfach los. Hier ist eine kleine Anleitung:
- Erzeugt 5 Spalten: Ideen/Backlog – To-do – In Arbeit – Review – Erledigt.
- Schreibt alle laufenden Aufgaben als Karten (kurzer Titel + 1 Satz).
- Vergibt Größen-Punkte (S/M/L).
- Plant einen 2-Wochen-Sprint (wer zieht welche Karte?).
- Termin für die Retro in den Kalender.
That’s it. Heute beginnt euer neues Flow-Gefühl.


