
Freiwillige zu gewinnen gehört zu den größten Herausforderungen vieler gemeinnütziger Organisationen. Oft fehlt nicht der Wille, sondern die Zeit: für strategische Ansprache, für gute Texte, für neue Ideen. Genau hier setzt Künstliche Intelligenz (KI) an.
In diesem Artikel fassen wir die wichtigsten Inhalte aus dem Webinar „Erfolgreiche Freiwilligengewinnung mit KI: Storytelling & Zielgruppen“ beim Haus des Stiftens vom 27.11.2025 zusammen. Du erfährst, wie KI euch dabei unterstützen kann,
- passende Zielgruppen besser zu verstehen,
- Geschichten zu erzählen, die Menschen wirklich erreichen,
- und Prozesse so zu vereinfachen, dass Engagement nicht im Alltag untergeht.
Der Fokus liegt dabei nicht auf Technik, sondern auf Menschen: KI als Werkzeug, das euch hilft, mehr Zeit für Beziehung, Wirkung und Zusammenarbeit zu haben.
Erfolgreiche Freiwilligengewinnung mit KI: Storytelling & Zielgruppen
Webinar mit Jana Piske (Fairlinked) im Rahmen der KI‑Vereint‑Initiative von Haus des Stiftens
Warum KI für die Freiwilligengewinnung im Nonprofit-Bereich so hilfreich ist
Viele Organisationen kennen diese Situation: Freiwillige werden dringend gebraucht, aber genau dann fehlen Zeit, Energie und Kapazitäten, um gute Öffentlichkeitsarbeit zu machen. Kommunikation passiert oft nebenbei – und bleibt dadurch unscharf.
KI kann hier entlasten. Nicht, weil sie alles besser weiß, sondern weil sie Fleißarbeit übernimmt und neue Perspektiven eröffnet.
Was KI besonders gut kann – und was nicht
KI ist stark darin,
- sich in Zielgruppen hineinzuversetzen,
- Texte, Ideen und Strukturen vorzuschlagen,
- Inhalte für unterschiedliche Kanäle anzupassen,
- Feedback zu geben, wenn gerade niemand sonst erreichbar ist.
Gleichzeitig gilt: KI ersetzt keine echten Gespräche, keine Beziehungspflege und keine Verantwortung. Ihr bleibt die Expert:innen für eure Organisation – KI ist Sparringspartnerin, nicht Entscheiderin.
Schritt 1: Zielgruppenanalyse mit KI – endlich konkret statt „alle“
„Wir suchen Leute, die Lust haben, sich zu engagieren.“ Solche Aufrufe sind gut gemeint – funktionieren aber selten. Denn wenn sich alle angesprochen fühlen sollen, fühlt sich oft niemand wirklich gemeint.
Menschen engagieren sich eher, wenn sie merken: Das passt zu mir.
Der Köder muss dem Fisch schmecken
Ein bewährtes Prinzip aus der Kommunikation lautet: Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht der Anglerin. Übertragen heißt das: Texte sollten sich an der Lebensrealität der Zielgruppe orientieren – nicht an unserer eigenen.
KI kann helfen, genau diese Perspektive einzunehmen.
Persona erstellen mit KI – praxisnah und schnell
Die sogenannte Persona-Methode unterstützt dabei, Zielgruppen greifbar zu machen. Statt abstrakt über „junge Erwachsene“ zu sprechen, beschreibt ihr eine konkrete, fiktive Person:
- Wie alt ist sie?
- Wie sieht ihr Alltag aus?
- Was motiviert sie?
- Welche Hürden hat sie?
Mit KI lässt sich schnell eine erste Persona erstellen, zum Beispiel auf Basis eurer Website oder eures Projekts. Diese Persona ist kein endgültiges Ergebnis, sondern ein Arbeitsinstrument, das ihr weiterentwickeln könnt.
Eine Aufgabe, mehrere Zielgruppen
Ein bekanntes Beispiel aus dem Webinar: Wikimedia bewirbt dieselbe ehrenamtliche Tätigkeit mit unterschiedlichen Plakaten – für Frauen, Jugendliche oder eine allgemeine Zielgruppe. Die Aufgabe bleibt gleich, die Ansprache verändert sich.
Mit KI könnt ihr Inhalte gezielt variieren, ohne alles neu schreiben zu müssen.
Wenn die Zielgruppe nicht im Kanal ist: Brücken denken
Manchmal erreicht ihr eure Wunschzielgruppe nicht direkt. Dann lohnt es sich, über Brücken nachzudenken. Ein Praxisbeispiel: Statt Senior:innen auf Instagram anzusprechen, richtete sich eine Kampagne an junge Menschen – mit der Botschaft: „Bring deine Oma zum Digitalkurs.“
Das Ziel blieb gleich, der Weg wurde einfacher.
Schritt 2: Storytelling mit KI – Geschichten statt Infotexte
Menschen erinnern sich selten an reine Informationen, aber sehr gut an Geschichten. Wer Freiwillige gewinnen möchte, sollte deshalb nicht nur erklären, was gesucht wird, sondern warum es sich lohnt, mitzumachen.
Bewährte Storytelling-Modelle
KI kennt klassische Erzählstrukturen und kann sie gut anwenden, zum Beispiel:
- Heldenreise: Eine Person bricht auf, überwindet Hürden und verändert sich.
- Golden Circle: Warum tun wir etwas? Wie tun wir es? Was tun wir konkret?
- Problem – Lösung – Wirkung: Ein direkter, gut verständlicher Dreischritt.
Diese Modelle geben euren Inhalten Struktur und erleichtern den Einstieg ins Erzählen.
Ehrenamtliche als Held:innen
Ein wichtiger Perspektivwechsel: Nicht die Organisation ist die Heldin der Geschichte, sondern die engagierte Person. Eure Organisation begleitet, unterstützt und ermöglicht.
KI kann helfen, aus einer Idee – etwa „Remote mitarbeiten im Projekt“ – eine stimmige Geschichte zu entwickeln, die Motivation und Sinn sichtbar macht.
Ein Inhalt, mehrere Kanäle
Ob Instagram, LinkedIn oder Facebook: Die Kernbotschaft kann gleich bleiben, Ton und Aufbau sollten sich unterscheiden. KI kann Texte kanaltypisch umformulieren und spart so viel Zeit im Alltag.
Schritt 3: Prozesse vereinfachen, damit Interesse nicht verpufft
Wenn Ansprache wirkt, kommen Anfragen. Entscheidend ist dann, wie schnell und klar Interessierte Orientierung bekommen.
Content effizient erstellen
Ein im Webinar gezeigter Workflow:
- Textideen mit KI sammeln,
- als Liste oder CSV exportieren,
- in Canva als Serie gestalten.
So entstehen schnell Content-Reihen, ohne jedes Design einzeln bauen zu müssen.
🚀 Hier gibt es die Anleitung dazu
Automatische Antworten sinnvoll nutzen
Automatische Antworten auf Social Media können helfen, Erwartungen zu klären – etwa mit dem Hinweis, dass E-Mails der bessere Kontaktweg sind. Das wirkt professionell und entlastet das Team.
Onboarding verständlich gestalten
Viele Organisationen haben Checklisten für neue Freiwillige. KI kann helfen, diese Inhalte freundlicher, klarer und motivierender zu formulieren – bei gleichem Inhalt, aber besserer Lesbarkeit.
Datenschutz & Verantwortung: KI bewusst einsetzen
Bei aller Begeisterung gilt:
- Keine personenbezogenen Daten in KI-Tools eingeben.
- Ergebnisse immer prüfen (Sprache, Werte, mögliche Verzerrungen).
- KI nicht nutzen, um sich zu verstecken, sondern um zugänglicher zu werden.
Beziehungen bleiben menschlich – KI unterstützt im Hintergrund.
Fazit: KI als Unterstützung für mehr menschliche Freiwilligenarbeit
KI ersetzt kein Engagement. Aber sie kann helfen, Engagement möglich zu machen: durch bessere Ansprache, verständliche Geschichten und entlastete Prozesse.
Wer klein anfängt – mit einer Persona, einer Geschichte oder einer kleinen Automatisierung – gewinnt Schritt für Schritt mehr Klarheit und Wirkung.
Unser Tipp: Nutzt KI nicht, um schneller zu werden, sondern um bewusster zu kommunizieren. Dann bleibt mehr Zeit für das, was wirklich zählt: Menschen und ihr Engagement.


