Die Konfliktmoderation nach der Harvard-Methode

Die Konfliktmoderation nach der Harvard-Methode basiert auf dem Harvard Negotiation Konzept. Es wurde von Anwalt und Konfliktforscher Roger Fisher und Anthropologe William Ury aus den USA entwickelt. Das Konzept setzt sich mit Verhandlungsprozessen auseinander und basiert auf einer großen Studie. Im Rahmen dieser Studie wurde erforscht, wie man zu einem gemeinsamen „JA“-Moment und einer Win-Win-Situation kommt. Das Konzept wird bis heute stetig von William Ury weiterentwickelt. Lies dir hierzu gerne auch unseren Blogbeitrag zum Thema Konfliktmanagement durch. Dort findest du auch die Aufzeichnung eines Webinars, welches in Zusammenarbeit mit dem Haus des Stiftens entstanden ist, zu dem Thema!

1. Trennung der Sach- und der Beziehungsebene

Dies ist das wichtigste Prinzip bei der Konfliktmoderation nach der Harvard-Methode. Beziehungsfragen kommen in Konflikten immer recht schnell an die Oberfläche. Wie gehen wir mit einander um? Was für eine Beziehung haben wir zu einander?
Daher solltet ihr euch bereits vor dem klärenden Gespräch Gedanken zu folgenden Punkten machen:

  1. Stellt alle Themen, Fragen und Informationen, die ihr auf der Sachebene habt, zusammen.
  2. Überlegt euch, welche Probleme auf der Beziehungsebene zu erwarten sind.
  3. Erarbeitet euch Lösungswege auf beiden Ebenen.

2. Bedürfnisse, Interessen und Wünsche

In der zweiten Phase geht es um die Identifikation der eigenen Bedürfnisse und Wünsche. Darüber sollten sich alle Konfliktparteien im Vorhinein Gedanken machen. Zusätzlich ist dies auch die Öffnung für das weitergehende Gespräch.

Folgende Fragen helfen euch dabei:

  • Was sind die grundlegenden Bedürfnisse und welche Ergebnisse möchte ich damit erzielen?
  • Welche Ziele habe ich? Was will die andere Person eigentlich?

3. Entwicklung von Optionen

Die dritte Phase der Konfliktmoderation nach der Harvard-Methode widmet sich der gemeinsamen Entwicklung von Optionen, die für beide Parteien annehmbar sind. Welche gemeinsamen Lösungswege finden wir? Wie können wir eine Win-Win-Situation erreichen? Welche gemeinsamen Optionen können wir schaffen?

4. Festlegung fairer Kriterien

In der abschließenden vierten Phase werden gemeinsam faire Kriterien festgelegt. Welche Kriterien müssen auf jeden Fall erfüllt werden? Worauf kann ich nicht verzichten? Was ist mir besonders wichtig?

Konfliktmoderation nach der Harvard-Methode

Wichtig: Beziehungsebene vor Sachebene! Man klärt erst alle Beziehungsprobleme, bevor man in die Sachebene geht! Das bedeutet nicht, dass man danach beste Freund*innen sein muss. Es geht darum, dass man wertschätzend mit einander umgeht. Es soll Ziel- und Lösungsorientiert zusammen an diesem Konflikt gearbeitet werden.

Merke:  In der Vorbereitung ist es wichtig, ein Gesprächsangebot zu machen. Dieser Prozess wird dann im besten Falle von jemandem aus der Organisation moderiert. Im Gespräch müssen Gesprächsregeln vereinbart werden. Ausgewogene Redeanteile sind einzuhalten, Vereinbarungen sind festzuhalten und ein Abklärungsgespräch einige Zeit danach ist wichtig.

Unser Tipp: Nutzt die Handhebe-Funktion in großen Gruppen, damit alle Mitglieder sich einbringen können. Legt fest, wie viel Redezeit jede Person hat. Dies ist wichtig, damit alle Raum für ihre Gedanken haben. Nutzt die Möglichkeit, Einverständnis mit Mimik und klarer Gestik auszudrücken, während Menschen sprechen. Hierdurch machen alle Teilnehmenden eine direkte Zustimmung deutlich.